Samenproduktion am Gartenhaus

Der Herbst lässt den durchschnittlichen Hobbygärtner so langsam etwas mehr zur Ruhe kommen, die Beete rund um das Gartenhaus, die noch ungeerntete Gemüse tragen, werden langsam weniger und es wird Zeit, den Garten auf die ersten Bodenfröste vorzubereiten. Während viele Kohlsorten, wie Rosenkohlarten und Grünkohl kein Problem mit Nachtfrösten haben, müssen die Südländer unter den Gemüsen, wie etwa Tomaten, Paprikas oder Zucchini nun abgemacht werden, weil sie mit dem ersten Frost kaputt wären.

Tomaten, die noch grün sind, können Sie im frostgeschützten Gartenhaus noch mit dem Kraut eine Weile kopfüber aufhängen, damit sie noch etwas nachreifen. Werden sie nicht mehr ganz rot, ist das auch keine Katastrophe. Man kann sie auch grün kochen.

Blumenkohl lässt sich noch eine Weile mit Vliesen schützen. Manche schlagen auch die äußeren Blätter um die Blume herum und binden sie oben zusammen, um dem Blütenstand noch etwas mehr Zeit zu geben.

Kürbisse sollten ebenfalls früh genug geerntet werden, da sie durch Frost breiig werden. Bei Gurken sind auch die überwiegende Anzahl der Linien kälteempfindlich. Sie können schon ab 5 Grad Celsius leiden.

Manche frostharte Gemüsearten können sogar noch gesät werden, wie etwa Petersilien- oder Radieschenvarietäten oder Rukkola werden teilweise dann erst im Frühjahr geerntet.

Ansonsten kann man schon mal ein paar Beete für das zeitige Frühjahr vorbereiten und über den Winter mit Küchenabfällen mulchen.

Alles in allem wird die Arbeit rund um das Gartenhaus aber langsam weniger und so finden Sie vielleicht die Zeit, sich einmal über eine eigene Samenproduktion Gedanken zu machen.

Eigene Samenproduktion – Warum?

Spätsommer und Herbst sind die Jahreszeiten, wo Samen am Gartenhaus geerntet werden aber wozu sollte man sich überhaupt damit abgeben? Es gibt doch ein Riesenangebot von Gemüsesamen aller Art zu kaufen!

Biologische Gärtner machen sich schon länger Gedanken darüber, warum es fast nur noch F1-Hybride zu kaufen gibt. Ein wichtiger Grund ist der, dass diese den Samenproduzenten die Kunden sichern, weil selbst gezogene Samen aus solchen Hybriden den Phänotyp der Reinzuchtlinien widerspiegeln, aus denen die Hybridzüchtung erstellt wurde. Und das sind meist kleine, schwächliche Pflanzen, manchmal nicht mal lebensfähig. Bei einer Kreuzung ergänzen sich diese degenerierten Linien aber so perfekt, dass die Pflanzen der einheitlichen F1-Generation alles haben was sie brauchen und sogar aufgrund des Hybrideffekts noch vitaler und kräftiger werden als alte Reinzuchtlinien.

Solange man also darauf vertraut, dass man seine Lieblingsvarietäten alle Jahre wieder angeboten bekommt, gibt es also keine Probleme. Aber was wäre, wenn das mal nicht so wäre? Ob aus einem unglücklichen Zufall oder aus Absicht. Die großen Samenproduzenten wurden alle von der agrochemischen Industrie aufgekauft. Die Möglichkeit, Linien anzubieten, die perfekt nur mit hauseigenen Chemikalien, wie Pestiziden, Herbiziden, Fungiziden, Kunstdünger oder Wachstumshormonen gedeihen ist also durchaus gegeben und ähnliches wird im professionellen landwirtschaftlichen Bereich schon lange praktiziert.

Zudem ist es auch einfach schade, dass viele regionale samenfeste Sorten, die über hunderte von Jahren herausgezüchtet wurden, einfach so verschwinden.

Biologischer Gartenbau am Gartenhaus mit samenfesten Sorten

Ein biologischer Garten um das Gartenhaus verzichtet nicht nur auf Chemikalien, sondern besteht auch zum größten Teil aus sogenannten samenfesten Sorten. Das sind alte Linien, die über Generationen oft lokal optimiert und herausgezüchtet wurden und die ihre Eigenschaften samentreu weitergeben. Das heißt, Sie können aus Ihrem Gemüse Samen gewinnen und diese im nächsten Jahr gleich wieder aussähen oder – je nach Art – auch bis zu mehrere Jahre lang im Trockenen und Kühlen verwahren.

So ist man für alle Eventualitäten vorbereitet und hat ganz nebenbei noch die Chance, sich seine eigenen, auf den eigenen Standort, den Boden am Gartenhaus, die Art des Anbaus und das Kleinklima optimierte Linien zu züchten.

Dabei sollte man allerdings nicht glauben, dass diese Kunst des Samenbaus so ganz einfach ist. Welcher Gemüsegärtner hat zum Beispiel nicht schon einmal leise fluchend einen geschossenen Salat oder ein Radieschen mit Blütenstengel ausgerissen? Nun wäre es nicht ratsam, solche Pflanzen blühen zu lassen und deren Samen zu ernten, weil der Schritt vor der Samenernte, nämlich die Selektion nicht richtig gelaufen ist. Sie möchten ja nicht ausgerechnet von der Pflanze nachziehen, die als erstes schießt, sondern von einer, die das als letzte tut.

Einige Kulturen eignen sich gut für Anfänger der Samenzucht am Gartenhaus

Dennoch ist das vorige Beispiel schon ein Hinweis darauf, welche Pflanzen leicht Blüten bilden und daher auch Samen produzieren werden. Salate, Spinat und viele Kohlsorten, wie etwa Blumenkohl, Brokkoli, Rettiche oder Radieschen gehören dazu.

Allerdings reicht es nicht, nur eine Pflanze blühen zu lassen. Man sucht sich aus einem Anbau die etwa fünf bis zehn schönsten Pflanzen heraus und lässt diese möglichst gemeinsam blühen.  Die empfohlene Anzahl unterscheidet sich je nach Gemüseart aber es geht auch oft schon mit zwei oder drei Pflanzen. Man ahnt allerdings schon, dass es doch etwas Wissen erfordert, die Eigenerzeugung von Samen am eigenen Gartenhaus zu perfektionieren.

Der Lohn der Anstrengung ist dann aber auch ein Erlebnis, wenn man vielleicht einmal seine eigenen lokal angepassten Varietäten heraus selektioniert hat, die man dann aus eigener Samenproduktion Jahr für Jahr anbauen kann.

Glücklicherweise gibt es im Internet viel zu dem Thema zu finden, wie auch eine recht große Vielfalt von Anbietern samenfester Gemüsesamen aus vielen Gegenden Deutschlands, so dass man sich einen Züchter dessen Klima, Höhenlage und Boden den eigenen Bedingungen nahekommen, aussuchen kann.

Am leichtesten fällt die Samenzucht am Gartenhaus mit Gemüsearten, die den Samen schon in sich haben

Tomaten in ihrer unendlichen Vielfalt sind da natürlich ein beliebtes Objekt für erste Zuchtbemühungen am Gartenhaus. Aber auch Kürbisse, Gurken oder Paprika haben ja ihre Samen in sich, so dass man sich mit der Samenernte keine großen Umstände machen muss. Gurken sind allerdings schon matschig, wenn die Samen voll ausgereift sind, wohingegen Tomatensamen sogar dann keimen, wenn die Tomate noch speisereif geerntet wird.

Diese Frucht – das ist sie biologisch gesehen – ermöglicht es also, die Samen herauszuholen und sich die Restfrucht trotzdem noch auf´s Brot zu schneiden.  Wenn man auf Nummer sicher gehen will, dann wartet man eben, bis sie tiefrot also sehr reif ist.

Der geleeartige Schleim, in dem die Tomatensamen liegen hat übrigens die Funktion die Keimung des Samens in der Frucht zu verhindern. Daher muss er bei der Samenernte sorgfältig von den Samen entfernt werden. Man kann auch eine Gärung ansetzen, indem man den Schleim mit den Samen in etwas Zuckerwasser einrührt und dann ein paar Tage im frostgeschützten Gartenhaus oder in der Wohnung stehen lässt, bis sich ein Alkoholgeruch bemerkbar macht. Die Hefen essen den Schleim auf. Die Samen werden dann gereinigt, getrocknet und halten sich trocken und kühl mehrere Jahre.

Vergessen Sie nicht eine sorgfältige Beschriftung mit Datum und dem Namen Ihrer neuen Linie, damit Sie nicht durcheinander kommen, weil sich die Samentütchen erfahrungsgemäß schnell stapeln, sobald man einmal seine Begeisterung für dieses Thema entdeckt hat.

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